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Die Vertreibung der Juden aus Spanien

 

Davidstern
Davidstern

die spanischen Juden (Sephardim oder Sfarden) haben eine jahrtausendealte Geschichte, die im 15. Jahrhundert mit der systematischen Vertreibung der Juden durch das Ausweisungsedikt (Alhambra-Edikt) des katholischen Königsehepaars Isabella von Kastilien und des Ferdinand von Aragonien vom 31. März 1492 einen tiefen Bruch erfuhr.

Zuvor wurde die iberische Halbinsel, hebräisch Sepharad oder Sfarad, vor allem seit der römischen Zerschlagung Judäas (70 n. Chr.) von Juden besiedelt.

Zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert entwickelte sich Spanien zu einem wichtigen geistigen Zentrum des Judentums. Unter der arabisch-islamischen Herrschaft der Mauren1 (8.-15. Jahrhundert) blühten zahlreiche jüdische Gemeinden auf und prägten Politik, Wirtschaft und Kultur dieses Zeitalters mit. Große Gemeinden entstanden in Toledo, Saragossa und Sevilla.

Alhambra-Edikt
Alhambra-Edikt

Auch während der christlichen Reconquista wuchs die jüdische Bevölkerung in Spanien zunächst weiter, bis religiös und politisch motivierter Antisemitismus zu Pogromen (1391) und schließlich mit dem Alhambra-Edikt von 1492 zur Vertreibung der Juden führte.

Der katholische Geistliche Palaccio erzählt, was er sah:

"Auf offenem Felde halten sie Rast. Die einen fallen vor Müdigkeit um, die anderen, weil sie krank sind. Manche sterben, andere werden am Straßenrand geboren. Jeder Christ, der diese Elenden, sieht, wird von Erbarmen ergriffen. Menschen aus dem Volke mengen sich unter sie und, bitten sie, sich der Taufe zu unterwerfen. Aber der Rabbi ist gleich zur Stelle und muntert die Müden und Verzweifelten auf. Bewegen sich die Züge, dann singen die Frauen, und die Kinder schlagen auf die Handtrommel und blasen auf der Trompete. Wie nun einer dieser Züge das Meer erblickt, fangen Männer und Frauen an zu weinen, sie raufen sich die Haare und rufen den Allmächtigen um Gnade und Wunder an. Stundenlang starren sie auf's Wasser."

Aloysius Drumbl: Der Ketzer, Teil 2, Books on Demand Gmbh, Norderstedt, 2008, S. 141

 

Sultan Bayezit II.
Bayezid II.

Das Osmanische Reich nahm später ohne Bedingungen die aus Spanien und später die aus Portugal vertriebenen Juden auf. Bayezid II. soll gesagt haben:

„Wie töricht sind die spanischen Könige, dass sie ihre besten Bürger ausweisen und ihren ärgsten Feinden überlassen.“

Ab dem 16. Jahrhundert herrschte in Spanien ein Niederlassungsverbot für Juden, das erst 1876 aufgehoben wurde. Es dauerte bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, bis sich wieder kleinere Gruppen von Juden in Spanien niederließen. Vor allem vor und während des Zweiten Weltkriegs flüchteten zahlreiche Juden nach Spanien. Die größte jüdische Gemeinde befindet sich heute in Barcelona.

 

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1 Mauren = Als Mauren werden all jene in Nordafrika als Nomaden lebenden Berberstämme verstanden, die im 7. Jahrhundert von den Arabern islamisiert wurden und diese bei ihrer Eroberung der iberischen Halbinsel als kämpfende Truppe unterstützten. Im Mittelalter, insbesondere seit der Zeit der Kreuzzüge, nannte man die Mauren vornehmlich Sarazenen. 711 drangen Mauren in die christlichen Reiche der Westgoten im heutigen Spanien und Portugal ein und islamisierten sie.

Die Mauren herrschten mehrere Jahrhunderte lang auf der Iberischen Halbinsel. Einige Jahrhunderte später setzte vom Norden aus ein Prozess der Rückeroberung (Reconquista) durch die Christen ein, der 1492 mit der Einnahme von Granada abgeschlossen wurde. Das "katholische Königspaar" Isabella und Ferdinand ordnete im selben Jahr die Vertreibung der Juden an, die sich nicht zum Christentum bekehren lassen wollten.

Den Muslimen in Spanien hingegen wurde zugesichert, dass ihre Religion und Bräuche toleriert würden. Die Krone hielt ihr Versprechen aber nur wenige Jahre, denn schon 1502 wurden auch die Muslime vor die Wahl gestellt, den christlichen Glauben anzunehmen oder das Land zu verlassen. Die meisten von ihnen ließen sich taufen, blieben aber ihren Bräuchen treu und praktizierten insgeheim weiter den Islam. Die Inquisition ging immer härter gegen die unangepasste Minderheit vor. Die arabische Sprache, Tänze, Bäder und Schriften wurden verboten. 1568 brach ein Aufstand aus, den das Militär erst zwei Jahre später niederschlagen konnte.

1609 ordnete der spanische König Philipp III. an, dass alle Mauren das Land verlassen mussten. Etwa 300.000 Bewohner Spaniens wurden nach Nordafrika deportiert. Sie war der erste Vorläufer der ethnischen Säuberungen, die in mehr oder weniger blutiger Weise dann im 20. Jahrhundert in Europa vorgenommen wurden. Die Deportierten ließen sich im heutigen Marokko, in Algerien und Tunesien nieder.

Die Vertreibung wurde damit begründet, dass Spanien ein katholisches Land sein sollte und Minderheiten nicht mehr geduldet würden. Neben religiösen spielten aber auch militärische und machtpolitische Motive eine Rolle. Spanien fühlte sich damals vom Vormarsch der Osmanen (ein historisches Turkvolk in Kleinasien, seit 1923 einheitlich als Türken bezeichnet) im Mittelmeer bedroht und unterstellte den Mauren, mit den Muslimen aus Kleinasien zu sympathisieren.