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Russland im Altertum

 

Für die zivilisierten Völker der Antike und des Mittelalters war Russland ein Territorium, das weitgehend unbekannt war. Bis zu Beginn des modernen Zeitalters hatten auch gebildete Menschen im Westen nur wenige Informationen über die Beschaffenheit des Bodens, die Einwohner und die politischen Bedingungen in Osteuropa gehabt.

Karte  von Anthony Jenkinson (1562): russischer und tatarischer Osten, bewohnt von unbekannten Völkern mit seltsamen Bräuchen
Karte von Anthony Jenkinson (1562): russischer und tatarischer Osten, bewohnt von unbekannten Völkern mit seltsamen Bräuchen

 

Siegmund von Herberstein in Moskauer Kleidung
Siegmund von Herberstein
in Moskauer Kleidung

Erst im Zeitalter der großen Entdeckungen, ab Ende des 15. Jahrunderts, konnte die europäische Öffentlichkeit durch Reisebeschreibungen viel besser über Amerika und Indien informiert werden, als über Russland.

 

Die erste umfassende Darstellung Moskowiens wurde 1549 von einem österreichischen Diplomaten, Sigmund von Herberstein1, veröffentlicht. Sein Buch beeindruckte die Zeitgenossen sehr, da der Autor durch Selbsterlebtes ein Land beschrieb, das noch nie zuvor erforscht wurde.

 

Einen ebenso großen Erfolg hatte das Schreiben des englischen Kapitäns Richard Chancellor, der im Jahr 1550 über das Weiße Meer einen Weg nach Moskau fand und so einen direkten Handel zwischen Russland und Westeuropa eröffnete.

 

Man kann also sagen, dass die westeuropäischen Länder erst im 16. Jahrhundert von der Existenz des russischen Staates erfuhren.

Schiff
Richard Chancellor mit seinem Schiff
auf der Suche nach der Nordostpassage

 

Natürlich geht die Überlieferung der Russen noch viel weiter zurück. Alte Chroniken in Klöstern verfasst, erzählen von der Gründung des russischen Reiches durch normannische2 Fürsten, die ins Land gerufen wurden, um die Regierung zu übernehmen.

 

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Anmerkungen

1 Siegmund Freiherr von Herberstein (* 24. August 1486 in Wippach; † 28. März 1566 in Wien) war ausgezeichneter österreichischer Staatsmann und Geschichtschreiber. Nach seinem Studium der Rechte in Wien wurde Herberstein in der Finanzverwaltung sowie insbesondere im diplomatischen Dienst der Habsburger tätig.Von den Kaisern Maximilian I., Karl V., und Ferdinand I. wurde er zu insgesamt 69 diplomatischen Missionen beauftragt, von denen ihn zwei in den Moskauer Staat zum Großfürsten Wassili III. führten. Seine erste Reise im Jahr 1517 hatte das Ziel, einen Waffenstillstand zwischen Polen-Litauen und dem Moskauer Staat zu vermitteln. Maximilian I. zeigte sich beeindruckt von den Kenntnissen, die Herberstein sich über das Russische Reich verschafft hatte und beauftragte ihn bei einer weiteren Reise im Jahr 1526 Informationen über Moskowien und vor allem über die dortigen religiösen Verhältnisse zu sammeln. Herberstein fand sich nach eigener Aussage im Moskauer Staat gut zurecht, da er slowenisch sprach. Als hochrangiger Diplomat war er beim Sammeln seines Materials in Russland kaum behindert worden.
Als "Osteuropaexperte" publizierte Herberstein 1549 in Wien seine gesammelten Eindrücke in lateinischer Erstausgabe unter dem Titel "Rerum moscoviticarum commentarii", eine Reisebeschreibung, die ihn zum Begründer der Russlandkunde machte. Eine italienische Bearbeitung unter dem Titel Comentari della Moscovia et parimente della Russia et delle altre cose belle et notabile erschien 1550 in Venedig. Herberstein selber schrieb eine erweiterte Ausgabe in deutscher Sprache, die 1557 unter dem Titel Moscovia der Hauptstat in Reissen in Wien erschien. Herbersteins Werk war der erste bedeutende Bericht aus der Feder eines Westeuropäers über das im Abendland seit Generationen nur am Rande zur Kenntnis genommenen Russland. Die von 1238/40 bis 1480 dauernde Mongolenherrschaft hatte den Moskowien aus dem Blickfeld der meisten Mitteleuropäer gerückt.
Neben den detaillierten Schilderungen der Verhältnisse am russischen Hof sind seine Feststellungen über Kulturkontakte zwischen Russland und dem Westen, die zu seiner Zeit besonders mit Italien bestanden und durch das Wirken italienischer Renaissance-Baumeister, die den russischen Kirchenbau geprägt hatten.
Das Werk Herbersteins blieb aktuell und wurde später auch innerhalb Russlands derart geschätzt, dass Katharina II. es 1795 erneut in deutscher Übersetzung drucken ließ.

2 Normannen = im weiteren Sinn alle Wikinger, die in Scharen als Händler, Krieger, Entdecker, Siedler und in der Folge manchmal auch als Staatengründer in Westeuropa auftraten und damit vorübergehend oder auf Dauer ihre nordeuropäische Heimat (Norwegen und Dänemark) verließen; in Osteuropa bis zum Kaspischen Meer sowie bis Byzanz waren sie als Rus und Waräger bekannt, die überwiegend aus Schweden kamen.