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Die Geschichte der Kosaken

(Teil 4 von 5)

 

Algirdas
Algirdas

um die Mitte des 14. Jahrhunderts fielen die von den Tataren unterjochten Länder in die Gewalt anderer Herren; aber die Zustände blieben dieselben.

Algirdas, Großfürst von Litauen, verjagte 1362 in der Schlacht am Blauen Wasser die Tataren von den Ufern des Dnepr und zog in Kiew ein. Weißrussland, die Ukraine und Westrussland standen damit für mehrere hundert Jahre unter der Oberhoheit der litauischen Großfürsten, die sich von nun an als rechtmäßige Erben des untergegangenen Reiches der Kiewer Rus sahen. Von Algirdas ist die folgende Absichtserklärung überliefert:

Omnis Russia ad Litwinos deberet simpliciter pertinere (Die ganze Rus soll einfach den Litauern gehören)

A. Kappeler: Kleine Geschichte der Ukraine, München, C. H. Beck 1994, S. 43

 

Den Flüchtlingen blieb kein anderer Zufluchtsort übrig, als das Land in den Wüsten hinter den Wasserfällen des Dneprs (Saporoger Kosaken oder ukrainische Kosaken), in Richtung Schwarzes Meer und unweit des Asowschen Meeres am unteren Don, südlich von Saratow, von denen sich dann später fast alle anderen russischen Kosakengruppen herausbildeten (Donkosaken, Uralkosaken, Terekkosaken, Sibirische Kosaken).

Karakalpaken
Karakalpaken

Hier war die Wiege der Kosaken. Doch die Flüchtlinge der unterjochten russischen Fürstentümer fanden in diesen Schutzorten schon ältere Bewohner vor, die aus Nachkommen ureinsässiger Stämme aber auch aus Eingewanderten bestanden. Seit langer Zeit wachten asiatische Söldnerhorden, Türkenstämme, worunter in alten Chroniken besonders die Karakalpaken genannt werden, über die Sicherheit der Grenzen Altrusslands.

Landstreicher
Landstreicher

Sie waren unabhängig, dienten für Geld, und behielten ihre asiatischen Namen bei. Nur wenige unter ihnen nahmen die christliche Religion an. Diese Horden wurden von den Russen „Brodniki1“ (Herumstreicher, Wanderer) genannt, ein Wort, dessen Begriff der Lebensweise der damit Bezeichneten entsprach.

Kosak

Außer diesen Brodniki fanden sich in den oben genannten Schutzorten Vagabunden aller Nationen zusammen: die durch die Tataren verdrängten Kyptschaken, Tscherkessen vom Kaukasus, Kalmücken, Russen und Litauer suchten hier ihre Zuflucht. Aus all diesen verschiedenartigen Elementen gestaltete sich im Laufe der Zeit ein großes Ganzes, welches bald in zwei Teile zerfiel: in den des Don und den des Dnepr. In dem Ersten war das asiatische Element vorherrschend, während der Zweite mehr slawischer Natur war, was die auffallenden Verschiedenheiten in Sprache, Physiognomie und Charakter erklären.

Kosaken

Und doch finden wir alle diese verschiedenen Stämme von dem Doppelband der russischen Sprache und der griechisch-katholischen Religion umschlungen. Der Grund dieser merkwürdigen Erscheinung ist leicht zu finden.

Von jeher war Kiew allen anderen russischen Fürstentümern an Bildung überlegen. Die von dort aus in großer Menge dem Joch der Tataren entschlüpften Flüchtlinge mussten wohl einen mächtigen Einfluss auf ihre roheren Waffenbrüder ausgeübt haben; außerdem war der christliche Glaube allen ein Zeichen gemeinsamen Hasses gegen ihre muslimischen Unterdrücker.

Allen wurde der Name Kosak beigelegt, ein Wort, das einen unabhängigen Krieger bezeichnet.

Kosaken im Kampf
Kosaken im Kampf

 

Der Trieb, sich zu rächen und ihre Unabhängigkeit zu befestigen, war das natürliche Ergebnis einer so mühevoll errungenen Sicherheit. Der Reiz der Freiheit, die reiche Beute, die wachsende Macht und endlich die Geborgenheit des eigenen Heimes, ließen die armen Flüchtlinge das neue Leben lieb gewinnen und reizten andere, sich ihnen anzuschließen.

 

Kosakenlager

Die Kosaken lebten in den äußerst fruchtbaren, wild- und fischreichen Flusswäldern der Steppen zwischen dem unteren Don und dem Dnepr, die Schutz vor den Tataren boten. Sie hatten keine festen Wohnplätze und hausten in Zelten.

Die Kosaken betrieben Fischfang, Jagd, Bienenzucht, später auch Viehwirtschaft. Als zusätzliche Einnahmequelle diente die Beute von Raub- und Kriegszügen. Ackerwirtschaft kam bei den Kosaken nicht auf. Die russischen Zaren verboten ihnen den Ackerbau und ihre eigene Regierung drohte jedem, der Bauer werden wollte, mit der Todesstrafe.

Tschaika
Tschaika

Ihr wichtigstes Fortbewegungsmittel war zunächst nicht das Pferd (zu Pferd waren die tatarischen Reiternomaden weit überlegen), sondern das Boot (Tschaika, Tscheln oder Strugs genannt). Ihr Lebensbereich war also nicht die Steppe, das "wilde Feld", sondern der Fluss. Alle wichtigen Gruppen von Kosaken sind nach Flüssen benannt: Dneprkosaken, Donkosaken, Wolgakosaken, Terekkosaken.

Die Kosaken ertrugen von jeher nur unwillig das ihnen nach und nach von Moskau aufgedrungene Joch und ihre Geschichte ist reich an Empörungen, wovon einige bekanntlich ganz Russland zeitweise aus den Fugen brachten.

 

barra

1 Brodniki waren ein Volk, das im  13. Jahrhundert in Moldawien lebte. Ihre ethnische Herkunft ist unbekannt; verschiedene Autoren meinen aber, dass sie rumänischer, slawischer, rumänisch-alanischer (O.B. Bubenok, Iassy und brodniki v stepiakh Vostochno Evropy (VI nachalo XIII v.), Kiew, 1997), rumänisch-slawischer (Victor Spinellll, Moldawien in der 11. bis 14. Jahrhundert, Editura Academiei Republicii Socialiste Romania 1986.) oder türkisch-slawischer (Lev Gumiljew 's Meinung, Die Entdeckung des Khazar) Herkunft waren.

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