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Die Geschichte der Kosaken

(Teil 5 von 5)

 

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Kosaken im Kampf

atsächlich musste der Stand des Kosaken einen mächtigen Zauber auf alle, die ihm angehörten, ausüben. Sie, die früher als willenlose Sklaven unter dem Schwert der Tataren zitterten, schwangen jetzt selbst verachtet und verächtlich das Schwert gegen ihre früheren Unterdrücker und “flogen“ auf mutigen Rossen einher, frei wie der Wind der Steppe, gefeiert in den Liedern ihres Volkes: Das schönste Mädchen, das der Kosak im Kampfe fing, wurde das Weib des Kosaken, aus dem reichsten Stoff, den er dem Feinde wegnahm, bereitete er seine Kleider, er schmückte sich mit den erbeuteten Waffen seines Gegners, seine Kinder aber wuchsen bei Schwerterklang, Kampfgewühl und Hass gegen ihre Unterdrücker auf.

 

Steppe
russische Steppe

Schon seit den ältesten Zeiten zogen bewaffnete Horden durch die Steppenwüste des östlichen Europas. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts erschienen die Kosaken von Rjasan (200 km südöstlich von Moskau am Fluss Oka gelegen) und Ende des 15. Jahrhunderts die Kosaken von Asow, die in kurzer Zeit zu einer ansehnlichen Macht heranwuchsen.

Uralkosaken
Uralkosaken

Zur gleichen Zeit enstanden aus den russischen Donkosaken die Uralkosaken, die Terekkosaken und die Sibirischen Kosaken, die der russische Kosakenführer Jermak Timofejewitsch organisierte.

Jermak spielte in der Geschichte Russlands eine wichtige Rolle. Er hatte schon für den Zaren Iwan IV. in Livland gekämpft; nach den ersten Niederlagen jedoch in den Sümpfen und Wäldern an Wolga und Don ein unstetes Räuberleben geführt. Er war durch allerlei Gewalttaten beim Zaren in Ungnade gefallen.

Jermak Timofejewitsch
Jermak Timofejewitsch

Vermutlich hatte er am Don 1579 erfahren, dass die Stroganows, reiche Uralhändler, einen erfahrenen Krieger suchten, um sie gegen die fortwährenden Angriffe des sibirischen Khan Kütschüm zu schützen. So beschloss er sein Handwerk wieder einmal unter offizieller Flagge auszuüben.

Dieser Schluss liegt nahe, da einige seiner Unterführer nachweislich von den Vertretern des Zaren als Straßenräuber gesucht worden waren.

Im Herbst 1581 war es dann so weit: Jermak überschritt im Auftrag der Stroganows mit über ca. 500 Kosaken, dazu kamen etwa 300 Deutsche, Polen, Litauer und Tataren (ehemalige Kriegsgefangene, die sich auf diese Weise ihre Freiheit verdienen wollten) und drei kleinen Kanonen den Ural, bewies sein Geschick und besiegte das Khanat Sibir in der Nähe des heutigen Tobolsk.

Mit 700 schlecht bewaffneten Wagehälsen vollbrachte der kühne Abenteurer die Eroberung dieses unermesslichen Reiches!

Wassili Surikow: Eroberung Sibiriens durch Jermak
Wassili Surikow: Eroberung Sibiriens durch Jermak

 

di Kosaken bieten dem Zaren Iwan IV. Sibirien an
di Kosaken bieten dem Zaren Iwan IV. Sibirien an

Daraufhin entsandte Jermak einen seiner alten Raubgefährten mit der Botschaft an Iwan IV:

"...... Er lasse dem Zar Land und Herrschaft von Sibirien, falls er selbst (Jermak) dadurch für sich und seine Waffenbrüder Verzeihung der alten Verbrechen erwirke ....."

 

F. Bodenstedt : Die Völker des Kaukasus und ihre Freiheitskämpfe gegen die Russen, Verlag der Deckerschen Geheimen Oberhofbuchdruckerei, Berlin, 1855, S. 97;

 

Seltsame Fügung des Schicksals! Ein seiner Verbrechen wegen flüchtiger Räuber eroberte das Land, welches allen Räubern und Verbrechern des Kaiserreiches zur Verbannungsstätte diente und schenkte es einem Fürsten, der ebenfalls seiner Verbrechen wegen, schon zu seinen Lebzeiten, den Beinamen “der Grausame" erhielt!

 

In Moskau wurden die Kosaken für ihre geleisteten Dienste gelobt und belohnt, während der russische Gesandte in Konstantinopel1 sie für bloße Räuber erklärte und gegen jedes Einverständnis seines Monarchen mit ihnen feierlich protestierte.

 

Kadettenkosak
Kadettenkosak

Die Organisation neuer Zweige dauerte ununterbrochen fort. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts bildeten sich die ersten Kosakentruppen.

Diese bewaffneten Horden, die Russland während der "Zeit der Wirren" (Smuta) verheerten,  durchzogen auch Deutschland zur Zeit des 30-jährigen Krieges (1618 - 1648).

Diese Kosaken waren als Hilfstruppe, d. h. leichte Kavallerie, die für schnelle Raids, Verfolgung des Gegners, Abschneiden seiner Versorgungslinien, Plünderungen und Terror etc., unvergleichlich gut und erfolgreich. Der damalige katholische König von Polen, Władysław IV., hatte sie dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Ferdinand III., zur Bekämpfung der Protestanten geliehen.

Kosaken

 

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1 Konstantinopel = alter Name der heutigen am Bosporus gelegenen Stadt İstanbul in der Türkei.
Der römische Kaiser Konstantin I., genannt Konstantin der Große, machte die eher kleine griechische Kolonialstadt Byzantion (Byzanz) im Jahre 330 zur Hauptstadt des Römischen Reiches und nannte sie "Nova Roma" (Das zweite Rom). Nach seinem Tode benannte man sie zu seinen Ehren in Konstantinopel um.
Konstantinopel war lange das Zentrum der Christenheit. Sie verband das Erbe der Römer mit der Philosophie der Griechen und dem Glauben der Kirchenväter. Im 12. Jahrhundert hatte Konstantinopel 1 Million Einwohner, die größte Stadt der Welt; 300 Jahre später lebten dort nur noch 50.000 Menschen. Die Perle der Christenheit hatte ihren Glanz verloren.

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