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Die Tempelgesellschaft

(Teil 2 von 4)

Die Gründung der "Gesellschaft für die Sammlung des Volkes Gottes in Jerusalem"

Richard Caton Woodville junior: Todesritt der leichten Brigade
Richard Caton Woodville junior:
Todesritt der leichten Brigade

Als 1853 der Krimkrieg1 ausbrach und sich das Osmanische Reich seinem Ende zu nahen schien, geriet das Heilige Land erneut in den Mittelpunkt des pietistischen Interesses. Für Hoffmann stand außer Frage, wer der einzige legitime Erbe der Osmanen in Palästina sein würde: Das in Jerusalem gesammelte Volk Gottes. Die Sammlung des Volkes Gottes wurde nun zu Hoffmanns wie Hardeggs Lebensaufgabe.

Christoph Hoffmann
Christoph Hoffmann

Kenner Palästinas warnten davor, die Zurückgebliebenheit des Landes und die Feindschaft der Araber wie der osmanischen Behörden nicht zu unter-schätzen. Hoffmann ließ sich von diesen Warnungen und Rat-schlägen weder beirren noch mäßigen. Der Wiederaufbau des Tempels, nicht aus Stein, sondern in Form einer nach Gottes Geboten lebenden Gemeinschaft, sollte die Aufgabe für Christen aus allen Nationen sein.

1854 veröffentlichte Hoffmann die „Süddeutsche Warte“, ein religiös politisches Wochenblatt für das deutsche Volk, das zum entscheidenden Sprachrohr der gesamten Templerbewegung wurde und bis in Bessarabien in Russland gelesen wurde.

Georg David Hardegg

Am 24. August 1854 wurde auf einer polizeilich angemeldeten Versammlung im Saal des Gast-hauses zum Waldhorn in Ludwigsburg die „Gesellschaft für die Sammlung des Volkes Gottes in Jerusalem“ ge-gründet. Hardegg rief die 200 Anwesenden energisch zu einer Neubesinnung und zu einem “Auszug aus Babel2” auf. Es wurde ein vierköpfiger Aktionsausschuss gebildet, dem neben Georg David Hardegg und Christoph Hoffmann noch Christoph Paulus und Louis Höhn angehörten.

Abdülmecid I.
Abdülmecid I.

Die Gesellschaft entfaltete sofort eine rege Tätigkeit und trug sich ernsthaft mit dem Gedanken der Auswanderung nach Palästina.

Hardegg begann mit der Registrierung von Kandidaten für eine Auswanderung nach Palästina, ins „Gelobte Land“.

Es wurde sogar eine Bittschrift an die Deutsche Bundesversammlung in Frankfurt geschickt, in der um staatliche Unterstützung bei der Ansiedlung des „Volkes Gottes“ in Palästina und besonders bei den hierfür nötigen Verhandlungen mit dem türkischen Sultan Abdülmecid I. ersucht wurde. Die Reaktion war allerdings negativ.

Eduard Schmidt-Weißenfels: Die Gartenlaube: Die Schwabenkolonien in Palästina, Ernst Keil’s Nachfolger, Leipzig, 1893, S.380;

Die württembergischen Behörden sahen in der neuen Gesellschaft eine sektierische Vereinigung, die die öffentliche Ordnung gefährde.

Die Auswanderungspläne wurden danach zurückgestellt, da neben der noch mangelhaften Vorbereitung des Unternehmens hierfür auch die Bereitschaft in der Bevölkerung nachließ. Die schlechte wirtschaftliche Lage in Württemberg zu Anfang der 1850er Jahre hatte besonders für Angehörige der unteren Schichten die Auswanderung als einzige Rettung erscheinen lassen; mit Verbesserung der Situation nahmen jedoch viele von diesen Plänen wieder Abstand.

 

 

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1 Krimkrieg = militärischer Konflikt Russlands mit dem Osmanischen Reich, mit Großbritannien und Frankreich (ab 1855 auch Sardinien) von 1853/54 bis 56. Anlass war die ultimative Forderung des Zaren Nikolaus I., die osmanische Regierung solle allen im Osmanischen Reich lebenden christlichen Untertanen eine privilegierte Stellung und die russische Schutzherrschaft garantieren. Als dies abgelehnt wurde, besetzten im Juli 1853 russische Truppen die Donaufürstentümer Moldau und Walachei. Das Osmanische Reich erklärte Russland im Oktober 1853 den Krieg.

2 Babel = biblischer Name für Babylon; die Stadt Babylon, die Hauptstadt und Kulturmetropole Babyloniens, in der nicht nur die Landessprache, sondern verwirrend viele andere Sprachen gesprochen wurden, wird in der Bibel häufig als Symbol der Feinde Gottes und des auserwählten Volkes erwähnt und stellt die Union des Heidentums und des Götzendienstes mit der politischen Macht dar.
Einige biblische Passagen, vor allem im Buch der Offenbarung (17 und 18) sprechen von Babylon der Großen, der Mutter der Huren und der Gräuel und beschreiben in allegorischer Form eine weibliche Figur, die die Mächtigen der Erde und ihre Bewohner kontrolliert. Die Hure Babylon ist mit dem Antichristen und dem Tier mit sieben Häuptern assoziiert.