>

 

Die Tempelgesellschaft

(Teil 4 von 4)

Die Entwicklung der religiösen Organisation

Georg David Hardegg

Im März 1858 reiste Hardegg mit Hoffmann und dem Rotenberger Weingärtner Joseph Bubeck nach Palästina, um die Möglichkeiten einer Ansiedlung vor Ort abzuschätzen. Bei ihrer Ankunft war gerade einige Deutsche und Amerikaner bei Jaffa von Arabern überfallen worden. Das Ergebnis, das die beiden nach ihrer Rückkehr im September 1858 den Daheimgebliebenen mit-teilten, war enttäu-schend. Das Land sei verwahrlost und verwüstet, es gäbe Überfälle auf westliche Siedler, die dortige Bevölkerung europäischen Siedlern gegenüber feindselig eingestellt und Unterstützung sei nicht zu erwarten. Dennoch hielten sie eine Ansiedlung nach reiflicher Vorbereitung und Festigung der Gemeinde für möglich. Man beschloss, junge Männer („Missionare“) nach Palästina zu entsenden, damit sie die arabische Sprache erlernen und die Verhältnisse im Land näher untersuchen könnten.

barra
Bessarabien in Europa
Bessarabien in Europa

Noch im selben Jahr entstand in Kirschen-hardthof die „Evange-listenschule der Jerusa-lemfreunde“, ein Ausbil-dungszentrum für zu-künftige Reiseprediger. Die dort Ausgebildeten verbreiteten die Templerlehre und gründeten Gemeinschaften in ganz Deutschland, besonders in den Ostprovinzen, aber auch in Amerika, Russland und anderen Ländern.

In Bessarabien bereisten sie die 24 deutschen Mutterkolonien, aber Erfolg hatten sie nur in den schwäbischen Separatistenkolonien Gnadental (heute: Dolynivka) und Lichtental (heute: Svitlodolyns'ke) bei Sarata.

mehr zur Tempelgesellschaft in Bessarabien in Bearbeitung

 

barra
Apokalypse 20, 1-3: Der Engel mit dem Schlüssel zum Abgrund bindet den Drachen auf tausend Jahre
Apokalypse 20, 1-3: Der Engel mit dem Schlüssel
zum Abgrund bindet den Drachen auf tausend Jahre

Die Entwicklung der Tempel-gesellschaft in Württemberg verlief in den darauffolgenden Jahren jedoch nicht optimal. Sie wurde heftig in ihren apokalyptischen Deutungen kritisiert, es wurde ihnen Fanatismus und Sektierertum unterstellt und auch innerhalb der pietistischen Kreise wurde eine wachsende Isolation spürbar. Der Höhepunkt dieser Entwicklung bildete 1859 mit dem Ausschluss der Gemeinde Kirschenhardthof aus der evangelisch württembergischen Landeskirche.

 

Kirschenhardthof 1686
Kirschenhardthof 1686

Im Sommer 1861 bildete sich als Reaktion darauf eine eigen-ständige religiöse Organisation mit dem Namen „Deutsche Tempel“, Tempel, was so verstanden wurde: Er sollte nicht ein Gebäude aus Holz oder Stein sein, sondern man verstand darunter die Gründung eines Volkes, das selber die Wohnung Gottes sein sollte. Hoffmann übernahm als „Bischof“ die geistige Leitung, Hardegg kam weiterhin die Organisation der Auswanderung zu.

 

zurück1 2 3 4weiter