>

 

Ignaz Lindl in Gundremmingen

St. Martinkirche in Grundremmingen
St. Martinkirche in Gundremmingen

es folgten in Gund-remmingen einein-halb Jahre, in denen Lindl wiederum zum Mittelpunkt einer endzeitlichen Bewegung wurde, die jetzt auch das Württembergische er-fasste, besonders die Gegend zwischen Heiden-heim und Ulm.

Lindl beschrieb in seinem "Leitfaden zur einfachen Erklärung der Apoka-lypse" seine chiliastisch-apokalyptische Vision der Johannesoffenbarung1 folgendermaßen:

" ….. Unsere Leidenserfahrungen sprechen nicht gegen unsere Hoffnungen, sondern sind deren unausweichliche Voraussetzung......"

Der Dom zu Augsburg 1844
Der Dom zu Augsburg 1844

Mit dem Hinweis, gegenwärtig seien die Verfolgungen und Plagen mehr als je wahrnehmbar, spielte Lindl nicht zuletzt auch auf sein eigenes Schicksal an. Seine Entfernung aus dem Baindlkircher Pfarramt und die Arrestierung in Augsburg waren Teil der Verfolgungs-geschichte. Lindl verstärkte seine Argumentation, indem er die bevorstehenden Ver-folgungen in die Lebenswelt seiner Leser hineinprojizierte:

.... Überall, in allen Städten und Dörfern treffe man auf Menschen, die das Tier, also die widergöttliche Macht und dessen Bild anbeteten. Überall seien Spione, die die wahrhaften Christen überwachten. Niemand könne verborgen bleiben. Wer als Christ bekannt sei, werde aller bürgerlichen Rechte beraubt. Es stehe zu befürchten, dass schließlich sogar Eltern und Kinder, Brüder und Schwestern, Männer und Weiber gegeneinander aufstünden, einander verräten und zum Tode auslieferten. Allein die Auswanderung an einen "Sicherheits-Ort" konnte die wahrhaft Gläubigen noch retten.......

Den Lesern sollte zwingend deutlich werden: Hier haben wir keine Zukunft. Uns bleibt nur die Auswanderung.

 

Raffael: Der Erzengel Michael im Kampf mit dem Drachen
Der Erzengel Michael im Kampf mit dem Drachen

Verfolgung und Auswanderung an einen Bergungsort waren die beiden Themen, die Lindl als Situationsanalyse und Hand-lungsperspektive in den Vorder-grund rückte und beide Aspekte stellte er in den Horizont biblischer Vorbilder.

Die entstehende Gemeinde der wahrhaft Gläubigen werde von dem Kampf zwischen Erzengel Michael und dem Drachen erfasst, wo es Tod oder Leben gelte.

Gott aber führe sein Volk, wie einst die Israeliten beim Auszug aus Ägypten, an einen "Zufluchts- und Bergungsort".

Albrecht Dürer: Das Sonnenweib und der siebenköpfige Drache
Albrecht Dürer:
Das Sonnenweib und
der siebenköpfige Drache
(Offenbarung: 12, 1-6)2

Lindl ließ die Hoffnung durchschimmern, Russland werde ihn und seine Anhänger aufnehmen und ihnen Land zur Ansiedlung zuteilen. Und er versäumte es nicht, auf die drohenden Folgen für all diejenigen hinzuweisen, die jetzt nicht auswanderten, d.h. derjenige, der nicht auswandere, bekomme den in der Offenbarung angekündigten Zorn des Drachen gegen die Gläubigen nur umso mehr zu spüren.

Lindl machte seinen Lesern klar, dass die gegenwärtige Situation der Verfolgung in der Bibel angekündigt worden sei und ließ somit der Gemeinde der wahrhaft Gläubigen nur eine Wahl, sich zu sammeln und an einen sicheren Bergungsort zu ziehen.

Die Hoffnung, Christus selbst zu begegnen, sollte seine Anhänger zur Auswanderung motivieren, ähnlich den 1817 nach Osten eilenden württembergischen Separatisten und Chiliasten, die sich den Kaukasus als Ziel gewählt hatten, um Christus bei seiner Wiederkunft näher zu sein (Kaukasiendeutsche).

 

zurück 1 weiter

1 Die Offenbarung des Johannes (griech.: apokalypsis, wörtlich "Enthüllung") ist das letzte Buch des Neuen Testaments. Es ist vermutlich in der Regierungszeit Domitians (81-96 n. Chr.) entstanden. Wer der Verfasser war, ist nicht eindeutig geklärt; wegen Abweichungen in Sprache und Anschauungen vermutlich nicht vom Verfasser des Johannesevangeliums.
Die Offenbarung ist die Niederschrift von 16 Visionen in denen Johannes offenbar Einblick in den göttlichen Plan erhielt. Allerdings ist der Text in symbolischer Form verschlüsselt.
Sie bezieht sich, nach Neros Tod (68 n. Chr.) geschrieben, auf eine demnächst erwartete große Weltkatastrophen, in denen das ungläubige Judentum und das christenverfolgende Rom bestraft, die Christenheit aber, nach Überwindung des Satans und seines Sendlings, des wiederkehrenden Nero, durch den wiederkommenden Christus zum endgültigen Siege geführt werden sollte.
Sie schildert in eindrucksvollen, schwer deutbaren Bildern den Zusammenbruch der Welt, dem nach Überwindung des Satans die Vollendung des Gottesreiches folgt (Antichrist).

2 Offenbarung 12, 1-6 = Und es erschien ein großes Zeichen im Himmel: ein Weib, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone mit zwölf goldenen Sternen. Und sie war schwanger und schrie in Kindesnöten und hatte große Qual zur Geburt. Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen; und sein Schwanz zog den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. Und der Drache trat vor das Weib, die gebären sollte, auf daß, wenn sie geboren hätte, er ihr Kind fräße. Und sie gebar einen Sohn, ein Knäblein, der alle Heiden sollte weiden mit eisernem Stabe. Und ihr Kind ward entrückt zu Gott und seinem Stuhl. Und das Weib entfloh in die Wüste, wo sie einen Ort hat, bereitet von Gott, daß sie daselbst ernährt würde tausend zweihundertundsechzig Tage.