Du bist in: Geschichte der Kosaken >

 

Der Kosakenaufstand unter Stenka Rasin (1670-71)

 

nach der Eroberung Astrachans und nachdem Rasin seine geraubten Schätze in sein Lager am Don gesandt hatte, setzte er seine Fahrt die Wolga hinauf fort und verlegte den Schauplatz seiner Taten in das Herz Russlands, um die Leibeigenschaft mitsamt den sie tragenden Bojaren auszurotten. Er erklärte sich für ein Werkzeug Gottes und wiegelte den ganzen südostlichen Teil des Zarenreiches auf.

Er nahm Saratow ein und ließ den Woiwoden, alle Adeligen und Beamten hinrichten. Ein gleiches Schicksal traf Samara und im September 1670 langte er vor Simbirsk an. Trotz blutigen Kämpfen gelang es ihm nicht, mehr als nur die Vorstädte dieser Festung einzunehmen.

Rasinaufstand

 

Die Aufstände der Leibeigenen breiteten sich indessen immer mehr aus und Moskau selbst war schon bedroht.

Simbirsk (ab 1924: Uljanowsk) war gut befestigt und verteidigt und wurde schon ein Monat lang von Rasin vergeblich belagert, als aus Kasan Verstärkungen heranrückten. Rasin ging ihnen entgegen, wurde aber unterhalb von Simbirsk von den Truppen des Woiwoden Barjatinskij geschlagen. Die Kosaken fuhren nun auf ihren Schiffen wieder flussabwärts, wobei sie viele Bauern, die sich ihnen angeschlossen hatten, im Stich ließen. Mehr als 600 solche Rebellen wurden auf Befehl Barjatinskijs gevierteilt, gehängt oder erschossen.

russische Strelitzen im 17. Jahrhundert
russische Strelitzen im 17. Jahrhundert

Rasin zahlreiches aber größtenteils undiszipliniertes Heer hatte sich dem Andrang der disziplinierten Strelitzen nicht widerstehen können.

Die Bevölkerung Simbirsks war entsetzt und der Zauber, den Rasin umgab, vernichtet. Nur von seinen Kosaken begleitet, verließ er in der Nacht sein Lager und ließ das ganze Volk, das sich ihm angeschlossen hatte, zurück. Dieses wurde, am folgenden Tag von Bariatinski größten Teils gefangen genommen und viele Hunderte Räuber hingerichtet.

 

Der Sieg des Fürsten Bariatinski war von höchster Bedeutung für das Russische Reich, Was wäre geschehen, wenn Stenka Rasin als Sieger aus diesem Kampf hervorgegangen wäre? Ihn hätte wohl nichts mehr daran hindern können den Thron Russlands zu stürzen. War die Regierung so unfähig, dem von allen Seiten sich der Hauptstadt nähernden Aufstand der Bauern Widerstand zu leisten?

Die von den Anhängern Rasins gesammelten Banden wurden einzeln geschlagen und gefangen genommen. Aals derselbe Fürst Dolgoruki, der den Bruder Stenkas hatte hinrichten lassen, zum Oberbefehlshaber aller gegen ihn ausgeschickten Truppen ernannt worden war, begann ein schreckliches Gericht über alle Teilnehmer an dem Aufstand. In Arsamas wurden im Laufe von 3 Monaten über 11.000 Aufrührer meist auf martervolle Weise hingerichtet.

Hinrichtung
Hinrichtung

 

Mariä-Entschlafens-Kathedrale in Astrachan
Mariä-Entschlafens-Kathedrale in Astrachan

Während der Belagerung von Simbirsk hatte der von Rasin in Astrachan hinterlassene Hetman Waska Uss den ehrwürdigen Metropoliten Iosif foltern lassen und ihn dann vom Altan der Kathedrale herabgestürzt, weil dieser den Aufständischen riet, sich zu ergeben.

Nach der Niederlage von Simbirsk hatte sich Stenka Rasin in sein Lager in Kagalnik am Don zurückgezogen und fand dort in dem zarentreuen Hetman des regelmäßigen Kosakenheeres Kornilo Jakowlew einen mächtigen Gegner. Diesem gelang es, das Ansehen Rasins bei seinen Anhängern zu untergraben, den Ort Kagalnik dem Erdboden gleich zu machen, Stenka Rasin nebst seinem Bruder Frolka gefangen zu nehmen und sie an Moskau auszuliefern.

Stolz auf seine Taten, hegte Stenka noch die Hoffnung, dass er seine Sache selbst dem Zar vortragen dürfte, denn er habe, meinte er, viel zu sagen, was der Zar wissen müsse. In der Nähe von Moskau wurde zu seinem Empfang ein mit einem Galgen ausgerüsteter Wagen bereit gehalten.

Wagen mit Galgen

 

Seine seidenen Kleider musste er mit schlechten Lumpen vertauschen. Eine von dem Querbalken des Galgens herabhängende Kette legte man ihm um den Hals, seine Hände wurden an den gegenüberstehenden Säulen des Galgens festgebunden. Auf demselben Wagen saß in Fesseln auch sein Bruder Frolka. So hielten sie am 2. Juni 1671 im Angesicht vieler tausend Menschen ihren Einzug in Moskau. Man brachte sie nach dem Semßkoi-Dwor (Rathaus).

Wasserfolter
Wasserfolter

Als Frolka unter den Qualen der Tortur sich kleinmütig zeigte, soll Stenka ihm Mut und Trost zugesprochen haben. Als beiden hierauf der Schädel glatt geschoren wurde, weil sie die Tortur des Herabträufelns von kaltem Wasser erdulden sollten, sagte Stenka:

„Bruder, ich habe wohl sonst gehört, dass nur gelehrte Leute zu Priestern geschoren würden, uns aber widerfährt diese Ehre trotz unserer Unwissenheit."

aus: Herrmann E. A.: Geschichte der europäischen Staaten - Geschichte des russischen Staates, Dritter Band, Friedrich Perthes, Hamburg, 1846, S. 689;

 

Vierteilung
Vierteilung

Nach vier Tagen verlas man Rasin auf dem Richtplatz vor dem Kreml das Urteil: Tod durch Vierteilung. Man schlug ihm Beine und Kopf ab ohne einen Schmerzenslaut auszustoßen.

Bald nach seinem Tode wurden die letzten aufflackernden Flammen dieses Bürgerkrieges völlig gelöscht. Es sollen 100.000 Menschen umgekommen sein.

 

barra

1 Rossschweif = Der Rossschweif (Tugh, türk: tuğ, mongolisch: Tuk) ist ein von den Osmanen (ein historisches Turkvolk in Kleinasien, seit 1923 einheitlich als Türken bezeichnet) rund 400 Jahre verwendetes Würdezeichen. Anfänglich diente er wohl als Kennzeichen für den Standort des Anführers einer Reitergruppe. Später entwickelte sich der Rossschweif zu einem osmanischen Symbol und Rangabzeichen, der die Stellung des Würdenträgers innerhalb der Hierarchie des Osmanischen Reiches kennzeichnete.
So zählte ein erbeuteter Rossschweif (Kommandostab) bei den christlichen Heeren zu den begehrtesten Trophäen. Nach altem Kriegsbrauch wurde er mit der Siegesmeldung dem Kaiser überbracht und bekundete durch seine mehr oder weniger ansehnliche Anzahl die Größe des jeweils errungenen Sieges. Meist schenkten der Kaiser und auch andere Fürsten eroberte Feldzeichen an den Papst und an Kirchen weiter, wo sie bei Dank- und Freudenfesten aufgehängt wurden.

indietro 1 avanti
Creative Commons Namensnennung-Nicht kommerziell 3.0
CSS validoHTML valido
2007 - 2016