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Die Entstehung des Begriffes "Pietist"

betende Bauernfamilie
betende Bauernfamilie

um 1680 begann man in Deutschland zunächst spöttisch bestimmte Gruppen, die sich um geistliche Erneuerung be-mühten, Pietisten1 (also "Frömmler") zu nennen.

Joachim Feller, ein Leipziger Poesieprofessor, griff 1689 diesen Begriff positiv auf und sorgte mit seinem Gedicht für weite Verbreitung:

"Es ist jetzt stadtbekannt der Nahm der Pietisten:
Was ist ein Pietist?
Der Gottes Wort studirt,
Und nach demselben auch ein heilges Leben führt.
Das ist ja wohl getan, ja wohl von jedem Christen! ……
Die Pietät, die muß vor aus im Hertzen nisten. ....."

Joachim Feller
Joachim Feller

Außerdem hob Feller als Eigentümlichkeit der Pietisten das Studium des Wortes Gottes, die häusliche Bibellese des einzelnen oder in der Familie, dazu das gemeinsame Lesen der Bibel in besonderen Erbauungsstunden (col-legia pietatis), der typischen Gemein-schaftsform des Pietis-mus, hervor. Pietisten waren für ihn faktisch die Anhänger der durch Philipp Jacob Spener seit 1675 in Deutschland ausgelösten Frömmigkeits-bewegung.

Dazu auch Fellers Selbstbekenntnis:

„Ich habe jüngst gedacht der hiesigen Pietisten,
Und zwar im Grund-Verstand und sonder Ketzerey.
Und wo ist Ketzerey? Der Nahm ist auch nicht neu,
Und brauchbar, wie man nennt von Jure1 die Juristen:
Ich selbsten will hiemit gestehen ohne Scheu,
Daß ich ein Pietist ohn Schmach und Heucheln sey.”

August Hermann Francke
August Hermann Francke

 

Die Pietisten wurden bald von den orthodoxen Luthe-ranern kritisiert und manch-mal verfolgt.

 

August Hermann Francke (1663-1727), Universitätsprofessor von Halle, organisierte die Bewegung und gründete viele Sozialwerke (Schulen, Waisenhäuser, Seminare für arme Studenten, Volksausgaben der Bibel) und sorgte so für die Ausstrahlung des Pietismus und die Gründung erster Missionen in Asien.

 

 

 

 

 

 

 

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1 Der Begriff Pietismus kommt eigentlich aus dem Lateinischen "pius", was so viel wie fromm und rechtschaffen bedeutet; verwandt damit ist das lateinische Hauptwort "pietas" (pietatis), also Frömmigkeit, und zwar das Streben nach intensivierter, vertiefter Frömmigkeit