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Der Calvinismus in Europa

(Teil 1 von 2)

Martin Luther
Martin Luther

martin Luther hatte den leidenden Gehorsam gelehrt und die luthe-rischen Landeskirchen waren schon ab 1522 fest im Griff des jeweiligen Landes-herren - wenig angenehm für Menschen, die sich gerade gegen ihre Regierungen auflehnten.

Die bedrängten evangelischen Minderheiten Westeuropas schauten nach Genf und die Lehre Johannes Calvins, die vorschrieb sich von der Unterordnung der weltlichen Gewalt abzulösen und sich unter die Souveränität Gottes zu begeben, denn sie seien verpflichtet, ihre irrgläubige Obrigkeit zu bekämpfen und sie durch eine rechtgläubige zu ersetzen.

Man praktizierte das Widerstandsrecht und sprach von Tyrannenmord. Die Überzeugung, von Gott "auserwählt", zum Heil prädestiniert zu sein, ließ Selbstzweifel nicht aufkommen und verlieh die unerschütterliche Gewissheit, auch als Minderheit auf der "richtigen" Seite zu stehen.

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Der Calvinismus in Frankreich

Giorgio Vasari: Massaker der Hugenotten
Giorgio Vasari:
Massaker der Hugenotten
Hugenottenkreuz
Hugenottenkreuz

Ab 1541 fasste der Calvinismus auch im katholischen Frankreich Fuß. Die französischen Calvinisten, Hugenotten genannt, wurden zeitweise grausam verfolgt (Blutbad von Wassy, 1562; Bartholo-mäusnacht, 1572; Hugenottenkriege, 1562-1598), zu anderen Zeiten aber vom selber calvinistisch orientierten König Heinrich IV. (Edikt von Nantes1, 1598) gefördert.

Die verschärften Maßnahmen Ludwigs XIV. gegen den französischen Calvinismus mündeten in das Revokationsedikt von Fontainebleau (1685), das das Edikt von Nantes aufhob.

Die Ankunft der ersten Hugenotten
Die Ankunft der ersten Hugenotten

Schon in den 1520er Jahren verließen die ersten franzö-sischen Glaubensflüchtlinge das Land.
Bis 1789 kehrten insgesamt etwa 200.000 Hugenotten dem wirtschaftlich hoch entwi-ckelten Frankreich den Rücken. Besonders groß war die Zahl der Flüchtlinge in der Zeit von 1670 bis 1720.

Nicht selten legten sie unter lebensbedrohlichen Umständen Hunderte von Kilometern zu Fuß zurück, um im protestantischen Ausland einen neuen Aufenthaltsort zu finden.

Bevorzugte Zufluchtsorte waren die Schweiz, Deutschland (die Freie Reichsstadt Frankfurt, Brandenburg-Preußen, Hessen-Kassel, Kurpfalz, Franken, Baden, Württemberg, Niedersachsen und in den Hansestädten), die Generalstaaten der Niederlande Dänemark, England, Schottland, Irland, Schweden, Russland, USA, Kanada und Südafrika.

Die Flucht der Hugenotten aus Frankreich bedeutete eine der ersten großen Emigrationen in der Geschichte der Neuzeit.

 

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1 Edikt von Nantes = amtlicher Erlass, der am 13. April 1598 in Nantes vom französischen König Heinrich IV. unterzeichnet wurde und der den calvinistischen Protestanten (Hugenotten) im katholischen Frankreich freie Religionsausübung und politische Sonderrechte garantierte. Zuvor hatten die Calvinisten oder Reformierten eine mehr als 60 Jahre dauernde Verfolgung im gesamten Land zu erleiden gehabt, die immer wieder zu Bürgerkriegen, den sog. Hugenottenkriegen, geführt hatte. Zehntausende Protestanten waren in diesen Jahrzehnten ums Leben gekommen oder hatten Frankreich verlassen.
Als die Hugenotten sich in den Kriegen von 1621/22 und 1625-29 erneut der Krone entgegenstellten, verloren sie durch den Kardinal Richelieu alle politischen Sonderrechte und Sicherheitsplätze, wurden allerdings religiös weiter geduldet. De facto beendet wurde diese Duldung mit der offiziellen Aufhebung des Edikts von Nantes durch Ludwig XIV. (Edikt von Fontainebleau, 1685), das die Freiheit der Religionsausübung so stark beschränkte, dass sich mehr als 200.000 Hugenotten gezwungen sahen, Frankreich zu verlassen.

2 Täufer: von der Kirchengeschichtsschreibung geprägte zusammenfassende Bezeichnung für in der Reformationszeit entstandene christliche Gemeinschaften, die die Kindertaufe als unbiblisch ablehnen und an ihrer Stelle die Erwachsenentaufe üben; deshalb nach ihrem Entstehen polemisch Wiedertäufer (Anabaptisten) genannt. Kirchengeschichtlich werden die Täufer weitgehend dem spiritualististischen Flügel der Reformation zugerechnet.
Die Grundlagen des Täufertums bilden das Verständnis der Taufe als Erwachsenentaufe, d. h. bewusst vollzogenen individuellen Bekenntnisakt (Glaubenstaufe), und der christlichen Gemeinde als freiwilligen Zusammenschluss mündiger Christen, die das Christentum authentisch leben wollen. Die von den Täufergemeinschaften angestrebte Wiederherstellung des wahren Christentums in der Welt ist nach täuferischem Verständnis wesentlich auch mit der Herstellung sozial gerechter Verhältnisse verbunden, für die die Gemeinden Beispiele sein wollen.
Die erste Täufer-Gemeinde entstand 1525 in Zürich. Die sich seit dem 16. Jahrhundert bildenden Täufer-Gemeinschaften (z. B. Mennoniten und Hutterer) wurden von Anfang an oft grausam verfolgt. Zur Auswanderung gezwungen, ließen sie sich zunächst v. a. in Polen und Mähren, später besonders in Russland und Nordamerika nieder, wo das Täufertum heute in verschiedene Gemeinschaften (z. B. Amische) fortlebt.