>

 

Der Calvinismus in der Schweiz

dürich hatte sich in den 1520er Jahren unter dem Einfluss Ulrich Zwinglis (1484-1531) als führende Macht im reformierten1 Lager der Schweiz herausgebildet. Im Zuge dieser Entwicklung wurde die Reformation unter der Führung Zürichs ununterbrochen in neuen Städten und Gebieten eingeführt.

Glasfenster Gedächtniskirche der Protestation in Speyer: Die Reformatoren Zwingli (links) und Calvin reichen sich nicht die Hand, ein Zeichen dafür, dass sie einander nie begegnet sind
Glasfenster Gedächtniskirche der Protestation in Speyer:
Die Reformatoren Zwingli (links) und Calvin reichen sich nicht die Hand, ein Zeichen dafür, dass sie einander nie begegnet sind
Guillaume Farel

Ab 1530 waren in Genf bereits reformierte Strömungen festzustellen und zwei Jahre später begann die Wirkungszeit des französischen Reformators Guillaume Farel (1489-1565) in der Stadt.

Als Farel 1535 den durchreisenden französischen Johannes Calvin2 in Basel kennen lernte, bat er ihn sich für die noch junge Sache der Reformation einzusetzen und zu bleiben.

Calvin sah sich als Werkzeug Gottes und lebte fortan für die Reformation.

Er erarbeitete eine Gemeindeordnung mit strenger Kirchenzucht, die auf heftige Widerstände stieß.

1538 wurden er und Farel aus Genf verwiesen, da sie der gesamten Gemeinde das Abendmahl versagten. 1541 holte man Calvin jedoch nach Genf zurück, der noch im selben Jahr eine neue kirchliche Ordnung schuf: den Genfer Katechismus.

Calvin (sitzend) erhält durch Farel seine Berufung: es ist Gottes Wille, die Vorherbestimmung, dass Calvin am Reformationswerk in Genf mitarbeitet.
Glasfenster Gedächtniskirche der Protestation in Speyer:
Calvin (sitzend) erhält durch Farel seine Berufung:
es ist Gottes Wille, die Vorherbestimmung, dass Calvin am Reformationswerk in Genf mitarbeitet.

Obwohl Calvin bis 1555, Jahr des Augsburger Religionsfriedens, stark umstritten war, verbreitete sich seine Lehre rasch.

Für Calvin war die Kirche eine disziplinarische Institution, die strenge Sittenzucht zu gewährleisten hatte. Deshalb unterwarf Calvin seine Anhänger strengen Regeln.

Hans Jurrianensz van Baden (zugeschrieben):
      Gottesdienst in der „Nieuwezijds“- Kapelle in Amsterdam, um 1658 Utrecht, Museum Catharijneconvent;
Hans Jurrianensz van Baden (zugeschrieben):
Gottesdienst in der „Nieuwezijds“- Kapelle in Amsterdam,
um 1658 Utrecht, Museum Catharijneconvent;
Michael Servetus
Michael Servetus

Die straff organisierten calvinistischen Gemeinden waren effektive "Kampforganisationen", gewissermaßen schwierige, hartnäckige, zum Äußersten entschlossene Gegnern der katholischen Obrigkeit.

Das “Konsistorium”, die kirchliche Behörde aus Pfarrern und Ältesten, überwachte das Leben der Bürger und übte eine strenge Kirchenzucht aus.

Jede Abweichung im Glauben und im Lebensstil wurden konsequent geahndet, jeder Stein des Anstoßes durch Verbannung oder Hinrichtung eliminiert. So wurde 1553, auf Betreiben Johannes Calvins, der spanische Antitrinitarier Michael Servetus als Ketzer verbrannt.

Vergehen wie Trunksucht oder Kartenspiel wurden geahndet; auf Gotteslästerung, Ehebruch und Unzucht stand die Todesstrafe. Für die Exekution schwerer Strafen nahm die Kirche die weltliche Obrigkeit in Dienst.

Natürlich brauchte das Konsistorium für die Sittenkontrolle Spitzeldienste. Oft genug waren die Strafen kleinlich, der Wunsch nach Reinheit und Sittenzucht mischte sich mit der Freude am Elend der "Verworfenen", ihrer Demütigung.

Folterung
Folterung

Heiterkeit und Gelassenheit suchte man vergeblich in der Stadt, denn es kam vor, dass psalmsingende Kirchgänger, sich gegenseitig vor dem Konsistorium anzeigten.

Calvin ließ auch Bilder verbrennen, Schmuck und sogar die Musik aus der Kirche entfernen.

Doch die Ernsthaftigkeit, mit der man gegen Laster und Lässigkeit anging, machte auf viele Zeitgenossen Eindruck.

Ausgerechnet jenes Genf aber löste eine Bewegung aus, die in Westeuropa unter den Bedingungen des Glaubenskampfes (Hugenottenkriege in Frankreich, Freiheitskampf der Holländer, bei den englischen Puritanern) antiautoritär wirkte.

 

zurück 1 weiter

1 reformierte Kirche (oft auch: evangelisch-reformierte Kirche): auf die Reformation Ulrich Zwinglis und Johannes Calvins (Calvinismus) zurückgehende Kirchengemeinschaften, die hauptsächlich in der Schweiz, in Schottland, in einigen Teilen Deutschlands, in Frankreich, in Ungarn und den USA (Presbyterianer) verbreitet ist.

2 Johannes Calvin wurde als Jean Cauvin am 10. Juli 1509 in Frankreich, in Noyon, in der Picardie, geboren. Studierte Jura und Humanismus, wodurch er mit reformatorischem Gedankengut in Berührung kam. In den Jahren 1533/34 bekannte er sich zur Reformation.
Als die Verfolgung der französischen Protestanten begann, floh er 1535 aus Frankreich nach Basel, wo die erste Auflage seines später berühmten Hauptwerks, der „la Institutio christianae religionis“, des „Unterrichts in der christlichen Religion“ entstand.