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Die Geschichte der Waldenser

(Teil 2 von 6)

Theologie von Petrus Waldes

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uf Straßen, Plätzen und Häusern predigte Petrus Waldes die apostolische Armut, die Ablehnung der Heiligenverehrung, des Fegefeuers2 und des Ablasses2.

Marienmünster in Dießen: 
    Seelen im Fegefeuer
Marienmünster in Dießen: Seelen im Fegefeuer

Mittelpunkt der Theologie von Petrus Waldes war die Bergpredigt3 (Matthäus 5-7):

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Carl Heinrich Bloch: Die Bergpredigt (ca. 1890)
Carl Heinrich Bloch:
Die Bergpredigt (ca. 1890)

3 Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.

4 Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.

5 Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.

6 Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.

7 Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.

8 Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.

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Waldenser zogen als arme Laienprediger durch das Land und predigten den Menschen das Evangelium in der Volkssprache. Als Glaubensgrundsatz galt die alleinige Autorität der Heiligen Schrift; nur die drei Sakramente Taufe, Abendmahl und Beichte wurden anerkannt; Eid wurde ebenso abgelehnt wie Kriegsdienst und Todesstrafe.

Mit Sorge wurde von der katholischen Kirche das Anwachsen der "Ketzerbewegung" in Südwest- und Nordostfrankreich sowie in der Lombardei verfolgt. Gemeinden der Waldenser gab es aber bald auch in Süddeutschland, Ungarn, Böhmen und Polen.

die Verbreitung der Waldenser im 13.-15. Jahrhundert
die Verbreitung der Waldenser im 13.-15. Jahrhundert

Der Klerus der katholischen Kirche fürchtete, dass sein Einfluss auf die Christen und damit die Macht des Klerus in Frage gestellt würde.

 

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1 Fegefeuer = lat. Purgatorium auch Reinigungsort genannt; Begriff aus der katholischen Theologie: seit dem Mittelalter übliche Bezeichnung für den Zustand der Läuterung des Menschen nach dem Tod, dieVorbereitung der Seele auf den Himmel. Die Lehre vom Fegefeuer (aus der Bibel nicht direkt zu begründen und deshalb von der evangelischen Theologie abgelehnt) geht davon aus, dass im Tod endgültig über das Schicksal des Menschen entschieden wird und die in der Gnade Gottes Sterbenden durch ein von der Sühnetat Christi und der Fürbitte der Kirche getragenes Leiden gereinigt und vollendet werden (arme Seelen). - Eindrucksvolle dichterische Darstellung des Fegefeuers in Dantes "Divina Commedia".

2 Ablässe = Begriff aus der katholischen Theologie. Sünde zieht göttliche Strafe nach sich. Er ist dem dritten Teil des Bußsakraments zugeordnet: 1. Reue des Herzens (contritio cordis) 2. Bekenntnis (confessio oris) 3. Genugtuung (satisfactio operis).
Die Kirche bietet im Sakrament der Buße die Möglichkeit, Befreiung ("Absolution") von der zeitlichen Sündenstrafe zu erlangen. Bei einem Ablass wird die Strafe für Sünden aufgrund von guten Werken (Gebete, Almosen, Pilgerfahrt) teilweise oder ganz getilgt.

3 Bergpredigt: die im Matthäusevangelium nach einer älteren Quelle aus Sprüchen Jesu zusammengestellte Rede Jesu auf einem Berg (Matthäus 5‒7). Kennzeichnend sind der sozialethische Gehalt (u. a. Verzicht auf Besitz, Gewalt) und die Schärfe der sittlichen Forderungen, die im Gebot der unbedingten Nächstenliebe münden. Wesentliche Bestandteile sind die Seligpreisungen, das Vaterunser und die goldene Regel („Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“). Radikal besonders von sozial orientierten christlichen Bewegungen rezipiert (z. B. Waldenser), erhielt die Bergpredigt immer wieder auch aktuelle, zum Teil politische Deutungen.