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Ulrich Zwingli, der erste Reformator der Schweiz

Ulrich Zwingli
Ulrich Zwingli

huldrych (Ulrich) Zwingli war der erste Reformator der Schweiz (*1. 1. 1484 Wildhaus im Kanton Sankt Gallen, † 11. 10. 1531 bei Kappel am Albis).
Nach theologischen und humanistischen Studien in Wien und Basel wurde er 1506 Pfarrer in Glarus, 1512-15 Feldprediger der Schweizer Truppen in Oberitalien. 1515 lernte er Erasmus von Rotterdam kennen und gelangte über dessen Schriften zu einer humanistischen (auf Vernunft und Moral begründeten) Auffassung des Christentums, entwickelte jedoch in der Folgezeit schrittweise über Paulus und Augustinus, beeinflusst auch durch persönliche Erlebnisse (Erkrankung in der Pestzeit [1519/20]) und die Lektüre von Schriften Luthers, ein darüber hinausgehendes reformatorisches Verständnis des Evangeliums. 1516 war Zwingli Prediger in Kloster Maria-Einsiedeln, wo er mit seinen reformatorischen Predigten begann.

Zwingli beschäftigte sich viel mit dem Neuen Testament und wie Martin Luther kam er zur Überzeugung, dass allein Gottes Gnade den Menschen durch den Glauben erlösen könne, während für katholische Theologen die göttliche Wahrheit sowohl in der Bibel als auch in anderen Schriften, etwa denen der Kirchenväter, zu finden ist.

Zwingli
Zwingli vertritt seine These

Zwingli war aber radikaler als Luther. Er akzeptierte in der Kirche nur das, was er aus der Heiligen Schrift direkt herleiten konnte.

1519 nahm Zwingli eine Berufung als Leutpriester ans Züricher Großmünster an, wo er entschieden für die Reformation eintrat und, anstelle der kirchlich vorgeschriebenen Texte, die biblischen Schriften in seinen Predigten auslegte. 1522 erklärte er sich gegen die katholischen Fastengebote.

Nach der Heiligen Schrift als der ''(Richt-)Schnur Christi'' sollte alles beseitigt werden, was sich nicht aus ihr begründen ließ. Bilder-, Reliquien- und Heiligenverehrung, Klöster, Prozessionen, katholische Messe mit Orgelspiel und Gesang, das Fegefeuer, die Firmung, die Letzte Ölung das Priesterzölibat und die Eucharistie wurden abgeschafft. Er baute die Volkskirche auf und legte den Schwerpunkt auf den Wortgottesdienst.
Die Fastengebote wurden abgeschafft und das Abendmahl auf vier Sonntage im Jahr (Ostern, Pfingsten, Allerheiligen und Weihnachten) mit Brot und Wein für alle Teilnehmenden beschränkt.

Reliquie Hermanns von Reichenau in der Schlosskirche in Altshausen in Baden-Württemberg
Reliquie Hermanns von Reichenau in der Schlosskirche in Altshausen in Baden-Württemberg
Papst Hadrian VI.
Papst Hadrian VI.

Zwinglis Äußerungen erregten den Zorn Papst Hadrians VI., der ihm Kanzelverbot erteilte und den Rat der Stadt Zürich aufforderte, den Priester als Ketzer zu ächten. Entgegen der Weisung Hadrians machte sich der Rat jedoch die Haltung Zwinglis zu eigen und unterstützte ihn. Der Rat setzte die Kritik Zwinglis um und schaffte die Traditionen der Kirche ab, die nicht biblisch begründet waren.

Nach dem Züricher Religionsgespräch über Zwinglis 67 Thesen am 29. Januar 1523 wurde in Zürich offiziell die Reformation eingeführt.

1525 verheiratete Zwingli sich mit Anna Meyer von Knonau. Als Pfarrer von Zürich war er der geistliche wie politische Berater und Führer der Züricher Regierung.

Von Zürich aus breitete sich die reformatorische Bewegung in der deutschsprachigen Schweiz und in einigen süddeutsche Städten aus und entwickelte sich zu einem eigenständigen Zweig der Reformation. Zwinglis Versuch, die Reformation in der ganzen Schweiz durchzusetzen (Beitritt Berns zur Reformation 1528), führte zu politischen Konflikten mit den katholisch gebliebenen Urkantonen Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden und Zug, was 1529 zum ersten Kappeler Krieg, dem ersten europäischen Religionskrieg, führte. Zugleich trat Zwingli in Beziehung zur deutschen Reformation, geriet aber 1529 mit Martin Luther wegen der Abendmahlslehre in Streit.

Luther war der Meinung, Leib und Blut Christi seien beim Abendmahl präsent, Zwingli glaubte dagegen nur an eine geistige Gegenwart Christi. So kam es zur Trennung zwischen dem deutschen und dem schweizerischen Zweig der Reformation.

 Leonardo da Vinci: Das Abendmahl
Leonardo da Vinci: Das Abendmahl

Im zweiten Kappeler Krieg, der Fortsetzung des ersten Kappeler Krieges, fiel Zwingli als Feldprediger am 11. Oktober 1531 bei Kappel auf der Seite Zürichs. Der Krieg wurde zugunsten der katholischen Orte entschieden.

Die Theologie Zwinglis betont die unbedingte Souveränität Gottes, Glaube ist Zeichen seiner Erwählung. Gott kann aber auch Nichtchristen zum Heil erwählen. Die Sakramente werden als Zeichenhandlungen des Menschen angesehen, in denen sich diese symbolisch an das durch Jesus Christus erworbene Heil erinnern (theologischer Hauptgegensatz zu Luthers Lehre von der Realpräsenz; Abendmahl).

Heinrich Bullinger
Heinrich Bullinger

Das Verhältnis von Staat und Kirche wird vergleichbar dem Verhältnis von Leib und Seele beschrieben. Bürger- und Christengemeinde stehen als christliche ''Polis'' unter dem Evangelium als dem neuen Gesetz Jesu Christi, weshalb für Zwingli, anders als bei Luther angelegt (Zweireichelehre), ihre systematisch-theologische Trennung in zwei separate Bereiche (''Reiche'') nicht möglich ist.

Zwinglis Ideen wurden nach dessen Tod in Zürich vom Schweizer Reformator Heinrich Bullinger fortgeführt. Sein Denken beeinflusste auch den jungen Franzosen Jean Cauvin (Johannes Calvin). Mit ihm zusammen gilt Zwingli als Begründer der evangelisch-reformierten Kirche1.

Glasfenster Gedächtniskirche der Protestation in Speyer: Die Reformatoren Zwingli (links) und Calvin reichen sich nicht die Hand, ein Zeichen dafür, dass sie einander nie begegnet sind
Glasfenster Gedächtniskirche der Protestation in Speyer:
Die Reformatoren Zwingli (links) und Calvin reichen sich nicht die Hand, ein Zeichen dafür, dass sie einander nie begegnet sind

 

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1 reformierte Kirche (oft auch: evangelisch-reformierte Kirche): auf die Reformation Ulrich Zwinglis und Johannes Calvins (Calvinismus) zurückgehende Kirchengemeinschaften, die hauptsächlich in der Schweiz, in Schottland, in einigen Teilen Deutschlands, in Frankreich, in Ungarn und den USA (Presbyterianer) verbreitet ist.