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Lindls Aufbruch nach Russland

Sankt Petersburg
Sankt Petersburg

am Tag nach seiner Abschiedspredigt in Gundremmingen am 18. Oktober 1819 nahm Lindl über die Orte Lauingen, Giengen, Heiden-heim, Ellwangen und Berlin seine Fahrt nach St. Petersburg auf.

Zu Lindls Reisebegleitung gehörten: Der junge protestantische Lorenz Steinmann aus St. Gallen, die Magd Veronika und seine Haushälterin Elisabeth, die Schwester seines Freundes und früheren Kaplans Martin Völk, die er wenig später heiratete, was auch ein Grund seiner späteren Ausweisung aus Russland sein sollte.

Paul I.
Paul I.

Lindl traf am 15. November 1819 in St. Petersburg ein, wo er die Pfarrstelle an der Malteserkirche übernahm. Der Vater von Kaiser Alexander I., Zar Paul I., in seiner Eigenschaft als Großmeister des Malteser-Ordens hatte im Jahr 1800 die Malteserkirche gestiftet.

Lindl wurde von Fürst Golizyn, dem Minister für Geistliche An-gelegenheiten, herzlich empfangen, der vor Beginn der Unterhaltung den geistlichen Segen erbat.

 

Alexander I.
Alexander I.

Eine große Auszeichnung wurde ihm zuteil, als er zu einer Audienz beim Kaiser vorgelassen wurde. Der Zar empfing Lindl in großer Demut, kniete vor ihm nieder und sprach: "Vater, segen Sie mich!" Bei dieser Gelegenheit unterbreitete Lindl seinen Plan, eine eigene Gemeinde in Russland zu gründen1.

674 seiner bayerischen Anhänger und 141 ihrer württembergischen Nachbarn wollten ihrem verehrten Prediger nachfolgen und mit ihm in einer Kolonie leben. Es handle sich durchwegs um ordentliche, ehrbare und gesittete Menschen, die sich mit Fleiß ihrem Gewerbe widmeten, erklärte Lindl. 119 von ihnen seien wohlhabend, 455 wenig vermögend und 241 arm, doch verständen sich alle auf die Landwirtschaft.

aus: Detlef Brandes: Von den Zaren adoptiert, Oldenbourg, München, 1993, S.106;

 

Der Zar befahl, das Vorhaben dieser "geistlichen, jeder Verehrung würdigen Person" zu erfüllen.

 

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1 Hildebrand Dussler: Johann Michael Feneberg und die Allgäuer Erweckungsbewegung, Nürnberg, 1959;