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Die Allgäuer Erweckung1sbewegung

Allgäu Deutschland und Österreich
Allgäu in Deutschland und Österreich

die Allgäuer Erweckungs-bewegung setzte gegen Ende des 18. Jahr-hunderts ein, also zu einer Zeit, als das westliche All-gäu2 noch Teil der vorarlbergischen Herrschaften war. Ein Initiator der Bewegung war Johann Michael Feneberg (1751-1812) aus Markt-oberdorf.

Feneberg war als katholischer Pfarrer in der Ortschaft Seeg tätig, in der damals rund 2.500 Personen lebten.

Die Anhänger der Bewegung begriffen ihre "Erweckung" als eine Art zweiter Taufe und stellten das Herz über die Vernunft. Sie konzentrierten ihre Frömmigkeit auf Christus und die Verehrung der Heiligen trat damit in den Hintergrund; ihre Gläubigkeit war mehr innerlich als äußerlich-formal.

Die "Erweckten" sonderten sich von den Katholiken ihrer Umgebung ab, während sie sich dem Protestantismus gegenüber eher ökumenisch3 gesinnt zeigten. Zu ihrer Lektüre zählten die Bibel, in nicht autorisierten Übersetzungen, sowie pietistisch-schwärmerische4 Bücher.

Vorarlberg in Österreich
Vorarlberg in Österreich

1814 kam das Gebiet Vorarlberg, das bis zu diesem Zeitpunkt zu Bayern gehörte, an Österreich; nur das Westallgäu ver-blieb bei Bayern. Die Erweckungs-bewegung hatte inzwischen weitere Gemeinden erfasst. So gingen die österreichischen Behörden gegen Bewohner von Doren vor, da dort zwei Familien der Ansicht waren, der Papst sei der Antichrist und die katholische Tradition verwarfen.

Die religiöse Erweckung, zu der es im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts im Fürststift Kempten und im Hochstift Augsburg kam, wird zumeist als Allgäuer katholische Erweckungsbewegung bezeichnet.

 

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1 Erweckung = (ev. Theol.) Bekehrung eines sündigen oder gleichgültigen Christen.

2 Allgäu = gebirgige Landschaft in Bayern, Baden-Württemberg (südliches Schwaben, Oberschwaben) und Österreich (Tirol und Vorarlberg), umfasst das Voralpengebiet zwischen Lech und Bodensee; im engeren Sinne nur das Bayerische Allgäu.

3 ökumenisch = das gemeinsame Vorgehen der christlichen Kirchen u. Konfessionen in der Welt betreffend

4 Schwärmer = abfällige Bezeichnung für radikale Gruppen (Spiritualisten) in der Reformationszeit. Luther bezeichnete alle, die nicht mit seinem Verständnis der Bibel und seiner Lehre übereinstimmten, als "Schwärmer" oder "Schwarmgeister".
Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden in der evangelischen Kirchengeschichtsschreibung Anhänger reformatorischer Bewegungen als "Schwärmer" bezeichnet, also diejenigen die sich als unmittelbar vom Heiligen Geist geführt verstanden, den Anspruch erhoben, die reformatorischen Glaubenserkenntnis radikal zu verwirklichen und diesen "göttlichen Auftrag" als Offenbarungsquelle neben bzw. über die Bibel stellten und den von ihnen abgelehnten Strukturen und Formen der Kirche und des Gottesdienstes eigene, "dem Heiligen Geist gemäße" Formen entgegensetzen.